Bescheidene Löhne

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Seit einigen Jahren müssen Südtirols Lehrlinge in zahlreichen Branchen mit gekürzten Löhnen auskommen. Wie viel sie verdienen.
von Heinrich Schwarz
Verdienen Südtirols Lehrlinge zu wenig? Einige Wirtschaftsverbände waren vor einigen Jahren der Meinung, dass sie sogar zu viel verdienen.
2016 wurden mit Einverständnis der Gewerkschaften etwa die Lehrlingslöhne im Handwerk – Bau, Druck, Holz, Metall, Friseurgewerbe und Schönheitspflege – deutlich gekürzt. Nur fleißige Schüler können das Lohnminus etwas geringer halten: Bei einem Notendurchschnitt von mindestens 7,5 wird das Gehalt ab dem zweiten Lehrjahr angehoben.
Drastische Kürzungen hatte es vor wenigen Jahren auch im Handels- und Dienstleistungssektor gegeben. Die damalige Begründung: Das Einstiegsgehalt sei höher als im deutschsprachigen Ausland – und die hohen Auflagen würden es den Betrieben nicht einfach machen.
Wie viel verdienen Lehrlinge in Südtirol? Laut dem neuen Lehrlingskalender des Arbeitsförderungsinstitutes AFI erhält etwa ein Lehrling im Bereich Metallhandwerk ein Einstiegsgehalt von gerade einmal 529 Euro pro Monat. Im vierten Lehrjahr kann der Lohn bei einem Notenschnitt ab 7,5 auf 1.210 Euro steigen.
In der Metallindustrie beträgt das Einstiegsgehalt 651 Euro und steigt auf 1.303 Euro im vierten Lehrjahr.
Die niedrigsten Lehrlingslöhne gibt es im Friseurgewerbe und in der Schönheitspflege: mickrige 423 Euro im ersten Lehrjahr und bei guten Noten 967 Euro im vierten Lehrjahr.
Vergleichsweise viel verdienen Lehrlinge im Gastgewerbe. Im ersten Lehrjahr sind es im Schnitt 893 Euro, im vierten Jahr 1.461. In Beherbergungsbetrieben ist es minimal mehr, in Nicht-Beherbergungsbetrieben minimal weniger (siehe auch Grafik mit den einzelnen Berufskategorien).
Je nach Berufskategorie hat es in den letzten drei Jahren unterschiedliche Lohnentwicklungen gegeben. In einigen Bereichen sind die Lehrlingslöhne gleich geblieben, in anderen sind sie leicht gestiegen – wieder in anderen (Industrie) wurden sie bezogen auf das letzte Lehrjahr leicht gekürzt. Im Gastgewerbe und bei den Bäckern und Konditoren sind die Entlohnungen relativ deutlich gestiegen.
Nach den deutlichen Kürzungen der Lehrlingslöhne in Handwerk, Handel und Dienstleistungen hatte vor zwei Jahren eine weitere Neuerung zu großem Unmut geführt: Die Landesregierung verlängerte die Lehrzeit für mehrere Berufe von drei auf vier Jahre, darunter etwa für Tiefbauer, Konditoren und Metzger.
Die Gewerkschaft ASGB sagte, dass die einzigen Profiteure dieser Maßnahme die Ausbildungsbetriebe seien, die kurzfristig mit geringeren Lohnkosten rechnen können, während die Lehrlinge Nachteile hätten. Langfristig werde die Suche nach Lehrkräften aber immer schwieriger, weil die Attraktivität sinke.
Landesrat Richard Theiner hatte damals in der Landesregierung mit denselben Argumenten gegen den Beschluss gestimmt.
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