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„Lehrer haben 30 Tage Urlaub“

Landesrat Philipp Achammer „vermasselt“ Südtirols LehrerInnen den langen Sommerurlaub: Das Bildungspersonal müsse in der Corona-Ausnahmesituation bereits ab Mitte August für die Vorbereitungstätigkeit bereitstehen. Was ein Treffen mit den Gewerkschaft gebracht hat.

Von Matthias Kofler

Philipp Achammer schickt eines voraus: „In dieser besonderen Situation müssen wir uns alle nach der Decke strecken und flexibel sein, um den Kindern und Jugendlichen ein gutes Angebot bieten zu können.“

Der Bildungslandesrat traf sich am Freitag mit den Schulgewerkschaften, um die Vorbereitungen für das kommende Schuljahr 2020/2021 in Angriff zu nehmen.

Derzeit ist schwer absehbar, wie Südtirols Klassen im Herbst aussehen werden. Im Achammer-Ressort werden – je nach epidemiologischer Entwicklung – ganz unterschiedliche Szenarien und Optionen durchgespielt. „Unser Wunsch ist es natürlich, dass wir so gut wie möglich in den Normalbetrieb zurückkehren können“, betont der SVP-Politiker.

Die römischen Richtlinien sehen gegenwärtig einen Mindestabstand von einem Meter zwischen den Schulbänken vor. Das verkompliziert freilich die Vorbereitungen. „Wenn es bei diesem Mindestabstand bleibt, müssen wir über eine Verkleinerung der Klassen nachdenken“, erklärt Achammer.

Eine solche Verkleinerung hätte wiederum zur Folge, dass auch mehr Gruppen in den Schulen betreut werden müssten. Um das mit dem bestehenden Lehrpersonal bewerkstelligen zu können, schlägt das Bildungsressort eine Kürzung der Unterrichtsstunden vor. Gleichzeitig könnte ab Herbst auch der Nachmittagsunterricht wegfallen. „Die Änderungen werden in jedem Fall im Einvernehmen mit den Gewerkschaften vorgenommen“, verspricht der Landesrat, fügt aber hinzu: „Es gibt zurzeit nicht das eine Modell für den Herbst, wir müssen mit allen Eventualitäten planen, auch mit einem erneuten Lockdown samt Rückkehr zum Fernunterricht.“

So ist zum Beispiel noch völlig unklar, ob die SchülerInnen im neuen Schuljahr einen Mund- und Nasenschutz tragen müssen. Einzig Plexiglas-Abtrennungen zwischen den einzelnen Schulbänken schließt Achammer kategorisch aus: „Wir werden unsere Kinder und Jugendlichen nicht hinter einem Plexiglas verschanzen“, so der SVP-Politiker.

Im Vorfeld des Treffens ist den Schulgewerkschaftern zu Ohren gekommen, dass das Land dem Lehrpersonal den diesjährigen Sommerurlaub kürzen will. Dies wäre ein Verstoß gegen die kollektivvertraglichen Bestimmungen, kritisieren die Gewerkschaften. Doch Landesrat Philipp Achammer stellt klar: „Laut Kollektivvertrag stehen den LehrerInnen 30 Tage Urlaub zu. Die restliche Zeit müssen sie für Vorbereitungstätigkeiten auf Abruf bereitstehen.“ Die Schulen seien in dieser Frage autonom, es gebe diesbezüglich keine Vorgaben aus Bozen. Er wisse aber von mehreren Schulführungskräfte, die ihrem Lehrpersonal bereits mitgeteilt hätten, dass sie entweder in der zweiten Juni-Hälfte oder ab Mitte August aus dem Urlaub zurückgerufen werden könnten. Ob es effektiv zu einer „Kürzung“ des (langen) Sommerurlaubs kommt, hängt von der weiteren Entwicklung der Corona-Krise ab. „Wenn es beim Mindestabstand von einem Meter bleibt, müssen die Schulen möglichst früh mit den Vorbereitungen beginnen“, so Achammer.

Für das Schulpersonal heißt es also, ab Mitte August für Vorbereitungstätigkeiten bereitzustehen. Der Appell ist vor allem an jene LehrerInnen gerichtet, die bei der Corona-Sommerbetreuung des Landes nicht zum Einsatz kommen (wollen). Bis dato haben sich landesweit erst 850 Freiwillige gemeldet, die ein bis drei Wochen „kostenlos“ mithelfen – drei Viertel davon sind KindergartenpädagogInnen. „Wir werden uns mit den Gemeinden austauschen und dies natürlich bei den Vorbereitungstätigkeiten mitberücksichtigen“, erklärt der Bildungslandesrat.

Nach dem Treffen mit LR Achammer erklärten die Gewerkschaften, dass Lehrer auch bis Ende August ihre Urlaube planen könnten – also für die gesamte schulfreie Zeit. Lediglich jene Bildungskräfte, die sich freiwillig für die Sommerbetreuung meldeten, müssten dann auch effektiv da sein.

 

 

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