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Die Corona-Prämien

(Foto: Karl Oberleiter)

Der Sanitätsbetrieb zahlt den Mitarbeitern der neuen Covid-19-Abteilung in Bozen eine monatliche Prämie zwischen 250 und 1.000 Euro. Und: Dem gesamten Personal werden die Überstunden von März bis Mai ausbezahlt.

von Heinrich Schwarz

Die Sanitätsmitarbeiter genießen seit Ausbruch des Coronavirus den Ruf als Helden. Durch ihren unermüdlichen Einsatz unter hoher Belastung konnten Menschenleben gerettet und eine weit größere sanitäre Katastrophe verhindert werden. Eine Frage lautete, ob dem Personal am Ende nur der Dank der Bevölkerung bleibt – oder ob sie auch eine „Belohnung“ für ihre außerordentliche Arbeit erhalten.

Jetzt hat die Generaldirektion des Sanitätsbetriebes einen Schritt gesetzt und zusätzliche Vergütungen aufgrund der Covid-Ausnahmesituation beschlossen. Die Details:

Die Mitarbeiter der neu errichteten Intensiv-Covid-19-Abteilung im Krankenhaus Bozen erhalten eine monatliche Prämie. Für Pflegehelfer sind 250 Euro vorgesehen, für Krankenpfleger 500 Euro und für Ärzte 1.000 Euro – jeweils brutto.

Über Prämien für die Mitarbeiter der anderen Krankenhäuser ist im Beschluss der Generaldirektion hingegen nichts zu finden. Geht dieses Personal leer aus?

„Nein, der aktuelle Beschluss ist nur ein Teil. Für alle Mitarbeiter, die in diesen Krisenzeiten Besonderes geleistet haben, wird es als Dankeschön eine Prämie geben“, sagt Generaldirektor Florian Zerzer. Man habe die Bezirke aufgefordert, Vorschläge einzubringen, wie das Prämiensystem aussehen soll. Noch sei man aber nicht soweit.

In einem Landesgesetz vom April heißt es: „Dem Personal, das direkt oder indirekt mit der Betreuung von Covid-19 Erkrankten betraut ist, wird für das Jahr 2020 eine Sonderprämie ausbezahlt oder ein außerordentlicher Sonderurlaub gewährt.“ Dafür wurden fünf Millionen Euro bereitgestellt.

Wie Zerzer erklärt, sind diese Geldmittel unter anderem für Sanität und Zivilschutz reserviert. Man werde sich absprechen, wie die Prämien-Gelder verteilt werden.

Florian Zerzer

Für die Bozner Covid-Abteilung habe man hingegen ein sofortiges Zuckerle vorgesehen, weil sie eine besondere Herausforderung gewesen sei. „Weil auch Personal aus anderen Gesundheitsbezirken eingesetzt worden ist, und weil die Arbeit auf einer Covid-Intensivstation ohnehin nicht ganz einfach ist“, so Zerzer.

Im aktuellen Beschluss ist weiters vorgesehen, dass Mitarbeiter, die „mit einer Führungs- bzw. Koordinierungsfunktion in den neu errichteten bzw. umgeschichteten sogenannten Covid-19-Abteilungen bzw. -Bereichen betraut wurden“, eine weitere monatliche Prämie erhalten: Krankenpfleger 350 Euro, Stellvertreter im Pflegebereich 175 Euro und Ärzte 700 Euro – wiederum brutto.

„Wir haben damit das Ausmaß und die Kriterien festgelegt, während die einzelnen Bezirke die Möglichkeit haben zu sagen, wer in den Genuss kommen soll“, erklärt Florian Zerzer.

Eine weitere Entscheidung des Sanitätsbetriebes betrifft die angefallenen Überstunden während der Corona-Ausnahmesituation: Dem gesamten Personal des Sanitätsbetriebes werden die Überstunden vom Zeitraum zwischen 1. März und 31. Mai 2020 ausbezahlt. Dementsprechend wird ab dem 1. Juni die festgestellte Stundensituation vom 29. Februar fortgeschrieben, sofern am 31. Mai ein positiver Stundensaldo aufscheint.

Und was ist, wenn jemand die Überstunden anstelle der Ausbezahlung lieber abbauen würde, um nach dem Corona-Stress wieder etwas Ruhe zu bekommen?

„Das kann natürlich jeder Mitarbeiter wählen. Wir haben hier nur die Möglichkeit geschaffen, dass alle Überstunden ausbezahlt werden können. Das tun wir aber nicht ohne nachzufragen, sondern nur auf Wunsch“, betont Generaldirektor Zerzer.

Für den Sanitätsbetrieb ist die Auszahlung der Überstunden strategisch von Vorteil: Wenn die Mitarbeiter ihre Überstunden nicht abbauen, sondern auszahlen lassen, steht den Krankenhaus-Abteilungen mehr Personal zur Verfügung, um die verschobenen Visiten und Leistungen nachzuholen und die weiter angestiegenen Wartezeiten wieder abzubauen.

Florian Zerzer bestätigt und sagt: „Natürlich sind die Mitarbeiter auch sehr interessiert daran, die Leistungen wieder möglichst wie vor der Krise zu erbringen. Von den Abteilungen selbst kamen Vorschläge, unter anderem verlängerte Ambulanz-Zeiten. Die Überstunden-Regelung ist für beide Seiten ein Vorteil.“

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