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Privatjet für Erntehelferinnen

Martin Foradori (Foto: Facebook)

Der Traminer Winzer Martin Foradori hat acht Mitarbeiterinnen aus Rumänien mit dem Privatjet einfliegen lassen – weil es für ihn keine Alternative gab. 

von Lisi Lang

Mehrere Wochen lang hat Martin Foradori vom Weingut J. Hofstätter in Tramin versucht, acht langjährige Mitarbeiterinnen aus Rumänien nach Tramin zu holen. Wegen der Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen war das aber alles andere als einfach, eine bürokratische und organisatorische Herausforderung.  

Aber der Traminer Winzer gibt sich nicht so schnell geschlagen und hat seine acht Mitarbeiterinnen aus Rumänien vor einigen Tagen jetzt sogar mit einem Privatjet einfliegen lassen. „Ich habe in den letzte Jahren wirklich viel Ignoranz und Unwissenheit gesehen, aber noch nie so viel wie während dieser Pandemie“, wird Martin Foradori von der Tageszeitung „Corriere della sera“ zitiert. 

Europäische Regelungen, welche in Ländern wie beispielsweise Deutschland oder Österreich problemlos funktioniert hätten, haben in anderen Ländern zu großen Problemen geführt.

Das hat auch der Traminer Winzer gemerkt, als er seine acht Mitarbeiterinnen aus Rumänien über die von der EU-Kommission eingeführten offenen Versorgungskorridore nach Südtirol holen wollte. An der ungarischen Grenze sind die acht Frauen nämlich nicht mehr weitergekommen. „Wir haben wirklich alles versucht, diese Probleme irgendwie zu lösen, aber leider ohne Erfolg“, erklärt Martin Forarodi gegenüber der Tageszeitung „Corriere della sera“.

Nach zwei Wochen am Telefon mit den Mitarbeiterinnen, Politikern in Rom und Brüssel sah sich der Winzer aus Tramin schlussendlich gezwungen, einen Privatjet für die acht Mitarbeiterinnen zu organisieren. „Eine andere Möglichkeit gab es nicht“, wird der Traminer Winzer zitiert.

Auf die Frage, warum er es stattdessen nicht mit lokalem Personal versucht habe, da auch hierzulande wegen der Krise viele arbeitslos geworden sind, antwortet Martin Foradori: „Nach zwei Stunden Probe haben viele das Weingut wieder verlassen, weil ihnen der Job zu anstrengend war.“ 

Für Martin Foradori waren die acht Mitarbeiterinnen, die teilweise schon seit zehn Jahren in Tramin beschäftigt sind, daher die einzige Option. „Diese Ausgabe ist sicher nicht ohne und vielleicht auch ein bisschen verrückt, aber sie war für die Zukunft meines Weinguts notwendig – ich hatte einfach keine Alternative“, so Foradori weiter. Angesichts der aktuellen übertriebenen Preise für einen Kleinbus seien die Kosten für den Privatjet zudem nicht so viel höher gewesen, ergänzt der Winzer. 

Im Bericht des Corriere della sera findet der Traminer Winzer aber auch ganz klare Worte für die Regelungen in Italien: „In Deutschland sind die Verfahren viel klarer und schlanker. In Italien konnten wir hingegen nicht einmal die intelligenten Maßnahmen anderer EU-Länder kopieren“, ärgert sich Foradori.

Bereits vor einigen Tagen sind die acht Saisonarbeiterinnen in Bozen gelandet. Der Bericht über die doch ungewöhnliche Aktion hat aber auch national für Aufsehen gesorgt – neben dem Corriere hat auch die nationale Nachrichtenagentur ANSA über den Traminer Sonderfall „Jet für Saisonarbeiterinnen“ berichtet.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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