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„Lasst uns bitte arbeiten“

Hds-Präsident Philipp Moser zeichnet ein dramatisches Bild des Handels- und Dienstleistungssektors. Die Nachricht vom möglichen Neustart am 4. Mai sei ein Tiefschlag gewesen.

von Heinrich Schwarz

Philipp Moser spricht von einer differenzierten Situation im Handels- und Dienstleistungssektor: „Lebensmittelgeschäfte oder IT-Dienstleister etwa können natürlich arbeiten, aber der größere Teil der Betriebe ist geschlossen und somit komplett auf Null“, sagt der Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbandes (hds). Die Situation für diese Betriebe sei wirklich sehr schlimm.

„Die Leute haben Angst, sie wissen nicht, wie es weitergeht. Sie hoffen Woche für Woche, dass sie wieder öffnen können“, so Moser.

Die Nachricht, dass der Neustart voraussichtlich erst am 4. Mai erfolgen kann, sei ein Tiefschlag gewesen: „Der 4. Mai ist für uns erstens nicht nachvollziehbar und zweitens katastrophal. Viele Betriebe haben nun seit einem Monat geschlossen und die Lager sind voll.“ Vor allem Kleinbetriebe hätten große Probleme.

Die Hilfsmaßnahmen des Landes sind für Philipp Moser in Ordnung. Das Paket sei gut und helfe, den Betrieben mit Liquiditätshilfen und Verlustbeiträgen entgegenzukommen. Einige Details könne man noch optimieren.

Ob die Betriebe damit überleben können? „Der Großteil wird überleben. Aber es wird auch manche geben, die sagen ‚ich schaffe es nicht‘“, meint der hds-Präsident.

Besonders groß sei das Kopfzerbrechen etwa bei den Eventdienstleistern, sprich bei den Fachfirmen für Zelte, Audio, Video oder Organisation: „Die größeren Events sind alle abgesagt. Vielleicht können im Herbst kleinere Veranstaltungen wieder stattfinden, aber bis dahin ist es für die Unternehmen nicht möglich, ihre Mitarbeiter zu halten, weil die Umsätze komplett wegbrechen. Da bringt auch die Lohnausgleichskasse für neun Wochen nichts.“

Moser hofft auf eine Verlängerung des Lohnausgleichs. „Denn wenn die Mitarbeiter über den Lohnausgleich nicht mehr gehalten werden können, landen sie am Ende im Arbeitslosenstatus. Das ist auch ein Kostenfaktor für die öffentliche Hand. Deshalb ist es besser, den Leuten die Arbeit zu sichern.“

Philipp Moser ruft die Entscheidungsträger auf: „Lasst uns bitte weiterarbeiten. In reduzierter Form, mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, aber lasst uns sofort wieder arbeiten. Wir wissen, dass die Kompetenz bei Rom liegt, aber wir bitten die Politiker, alle Anstrengungen zu unternehmen, damit wir in Südtirol individuell früher aufsperren dürfen, sofern die Infektionszahlen nach unten gehen.“

Der 4. Mai sei zu spät. „Wir brauchen die Öffnung jetzt. Alle haben gehofft, nach Ostern wieder reduziert öffnen zu können“, erklärt der hds-Präsident. Die Betriebe würden alle Einschränkungen in Kauf nehmen – etwa reduzierte Öffnungszeiten, strenge Distanzregeln, Zugangslimitierungen je nach Fläche, Hygienevorkehrungen. „So kann man ohne Weiteres einen Schuh kaufen“, meint Moser.

Er erhofft sich eine Diskussion auf Augenhöhe zwischen Sozialexperten, Wirtschaftsexperten und Virologen. „Sie müssen gemeinsam abwägen, was das Beste ist. Denn ich habe das Gefühl, dass heute die Virologen diktieren, was Sache ist. Ich bin kein Spezialist für gesundheitliche Aspekte, aber es sollte eine gemeinsame Diskussion und gemeinsame Entscheidungen geben“, betont Philipp Moser.

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