„Das wäre eine Katastrophe“

Jan Gasperi: Wenn man uns hier im Stich lässt, wäre das für unser Theater eine finanzielle Katastrophe.
Das Stadttheater Bruneck steckt wie alle Theater durch den Coronavirus in einer extrem angespannten Situation. Jan Gasperi fordert die Hilfe der Politik.
Tageszeitung: Die Theater sind aufgrund des Coronavirus bis mindestens 4. April geschlossen. Was bedeutet das finanziell?
Jan Gasperi: Es hängt wesentlich davon ab, ob die Schließung mit 4. April aufgehoben wird. Für diesen Fall bemüht sich das Stadttheater zurzeit sehr aktiv, dass es zu keinen Ausfällen von Aufführungen, sondern zu Verschiebungen kommt, die allerdings einen organisatorischen Mehraufwand verursachen. Mehrkosten entstehen in diesem Fall vor allem durch zusätzlich nötige Werbeausgaben und die Neuorganisation der Veranstaltungen. Vorstellungsverschiebungen sind bei Gastproduktionen einfacher, bei den Eigen- und Koproduktionen wird es bedeutend komplexer und schwieriger, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Wir versuchen, die Premiere unserer Koproduktion „Das Versprechen“ zu verschieben. Neben den zum Großteil angefallenen und bereits getilgten Kosten bedeutet eine längerfristige Verschiebung allerdings weitere Zusatzkosten. Dasselbe gilt ebenso für die Premiere unserer darauffolgenden Koproduktion „Gift“ am 17. April.
Eine kurzfristige Verschiebung würde zu einem zu dicht gedrängten Vorstellungsplan führen, der erfahrungsgemäß zu einer geringeren Zuschaueranzahl führt. Die momentan für März ausverkauften Schülervorstellungen wären zu einem späteren Termin im Mai sicherlich nicht mehr zu füllen, da erfahrungsgemäß in den Schulen zu diesem Zeitpunkt andere Schwerpunkte gesetzt und außerschulische Tätigkeiten schon großteils abgeschlossen sein werden. Eine längerfristige Schließung würde den Totalausfall der aktuellen Spielzeit 2019/20 bedeuten – keine Einnahmen, schon getätigte Ausgaben und zudem noch die gleich bleibenden Fixkosten für Miete, Personal usw.
Was passiert mit dem Personal in dieser Zeit?
Fixangestellte werden weiterhin bezahlt, müssen aufgrund geringeren Arbeitsaufkommens aber Urlaub nehmen. Bei Ausfall von Proben und Aufführungen bleibt leider zur Zeit nur die Organisationstätigkeit.
Lässt sich aufgrund der Ungewissheit die weitere Saison überhaupt noch sinnvoll planen?
Nein, aber wir können auch nicht aufgeben und müssen grundsätzlich nur mehr von Tag zu Tag planen. Die Diskussion in unserer internen Teamsitzung vom letzten Samstag, Vorstellungen dennoch vor reduziertem Publikum zu spielen, war bereits 10 Stunden später aufgrund des neuen Ministerialdekretes überholt.
Müssen die Theater bereits verpflichteten Schauspielern und Regisseuren den finanziellen Ausfall zahlen?
Bis dato konnten wir uns mit allen verpflichteten Schauspielern und Regisseuren auf Verschiebungen einigen und auch das Publikum behält die gekauften Tickets. Sollte sich die Lage zeitnah nicht bessern und Produktionen und Aufführungen definitiv ausfallen, wird es leider auch dazu kommen, vereinbarte Gagen auszuzahlen. Grundsätzlich müssen wir auch hoffen, dass alle Kosten für die gewährten Beiträge geltend gemacht werden können, auch wenn die Produktionen nicht effektiv zur Aufführung kommen. Wir hoffen, dass Zusatzkosten mit zusätzlichen Beiträgen aufgefangen werden. Wenn man uns hier im Stich lässt, wäre das für unser Theater eine finanzielle Katastrophe.
Interview: Heinrich Schwazer
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