Die Hiobsbotschaft
Im Landtag schlug die Nachricht vom positiven Köllensperger-Befund ein wie eine Bombe. Ein Abgeordneter stellt sich selbst in Quarantäne, die Landesräte wollen sich vorerst nicht testen lassen.
Von Matthias Kofler
Im Landtag herrscht große Bestürzung über Paul Köllenspergers Corona-Erkrankung. „Es tut mir wirklich leid für ihn“, sagt Landesrat Massimo Bessone. Der Grillino Diego Nicolini, der im Plenarsaal in Köllenspergers unmittelbarer Nähe sitzt, wünscht seinem Kollegen alles Gute: „Wir alle hoffen, dass er schnell wieder auf die Beine kommt.“
In der vergangenen Woche hielt der Landtag regulär seine März-Sitzung ab, wo die Abgeordneten freilich auch auf Paul Köllensperger trafen. Der Team-K-Politiker hat in der Zwischenzeit eine Liste mit den Namen jener Personen erstellt, mit denen er in engem Kontakt stand. Darunter befinden sich auch seine Fraktionskollegen. Sie alle werden in den kommenden Tagen vom Sanitätsbetrieb kontaktiert.
Carlo Vettori (Alto Adige Autonomie) hat entschieden, sich freiwillig in Quarantäne zu stellen. Die Landesräte hingegen verzichten vorerst darauf, sich einem Test zu unterziehen. Sie hätten mit Köllensperger nur aus der Ferne kommuniziert, heißt es aus der Landesregierung.
Einige Abgeordnete wundern sich darüber, dass Köllensperger am Montag noch zur Arbeit erschienen ist. Dort habe er einen gesunden Eindruck gemacht, sagen jene Volksvertreter, die in dieser Woche persönlich mit ihm gesprochen haben. Umso größer ist die Verwunderung darüber, dass der Oppositionsführer nun mitteilt, schon seit dem Wochenende an Husten und Fieber zu leiden (siehe Interview). Auch der Umstand, dass sich Köllensperger ohne ärztlichen Befund in Österreich getestet und damit gegen das Protokoll des Südtiroler Sanitätsbetriebs verstoßen hat, stößt sowohl im Krankenhaus als auch im Landtag auf Kritik.
Wie geht das Hohe Haus mit dieser außergewöhnlichen Situation um?
„Wir haben zugesperrt“, erklärt Präsident Sepp Noggler. Besuche sind nicht gestattet. Die Mitarbeiter werden auf unbestimmte Zeit von zu Hause aus arbeiten. Zurzeit befindet sich nur noch ein Portier im Landtagsgebäude, auch dieser wird morgen abgezogen. Man warte nun die Entwicklung der kommenden Tage ab und werde dann weitere Entscheidungen treffen, sagt Noggler. Sitzungen sind bis April ohnehin keine geplant. „Wir sind vorsichtig“, unterstreicht der Präsident. Seiner Meinung gehen die Abgeordneten relativ gelassen mit der Situation um: „Das ist wie bei jeder Grippe: Du kannst Glück haben, oder irgendwann packt sie dich“, so Noggler.
Die Landesregierung setzt indes verstärkt auf Videokonferenzen. Keiner von den Regierungsmitgliedern will sich Verunsicherung ansehen lassen. Und man will mit Beispiel vorangehen: Massimo Bessone bietet älteren Menschen in Brixen an, für sie den Einkauf zu erledigen. Das Angebot würde bislang nur halbherzig angenommen, weil die älteren Damen und Herrn ziemlich stur seien, berichtet der Lega-Landesrat.
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