Das lange Warten
Strom, Abwasser, Fernwärme: Die Gemeinde Sand in Taufers kommt mit dem Begleichen offener Rechnungen nicht mehr nach. Die Lieferanten werden ungeduldig.
von Silke Hinterwaldner
„Es ist immer unangenehm, wenn man die Lieferanten nicht bezahlen kann“, sagt Stefano Mariucci, „wir sind im Vergleich zu anderen Gemeinden sicherlich ein bisschen im Rückstand, aber wir versuchen in allen Bereichen die Rechnungen zu begleichen, sobald es geht.“
Stefano Mariucci ist nicht nur Vizebürgermeister von Sand in Taufers, sondern auch Rechnungsprüfer bei der Abwassergesellschaft ARA im Pustertal.
Er sagt ganz offen: „Wir sind seit einiger Zeit mit den Zahlungen im Rückstand, aber bis auf zwei Raten wurden nun alle Rechnungen beglichen.“ Er macht auch kein Geheimnis daraus, dass seine Gemeinde „Liquiditätsschwierigkeiten auf 360 Grad“ hat. Diese Engpässe machen es nicht nur schwierig die Rechnungen im Abwasserverbund zu begleichen. Schwierigkeiten gibt es auch bei der Begleichung von Rechnungen für Strom oder Fernwärme. Schnell kann daraus ein Rattenschwanz an Folgen werden.
Aber Mariucci sagt die Gemeinde sei sehr bemüht, den Verbindlichkeiten nachzukommen, so gut es eben gehe – seit dem nahezu ruinösen Bau des Hallenbades Cascade kommt die Gemeinde Sand in Taufers aus der Schuldenfalle praktisch nicht mehr heraus.
Das alles weiß freilich auch Josef Nöckler. Er ist Gemeinderat des oppositionellen Bündnisses 2010 und hat wenig Verständnis dafür, dass man die Lieferanten hängen lässt. Er sagt: „Die Bürger müssen ihre Abwasserrechnungen bezahlen und die Gemeinde sollte diese Gelder nicht anderweitig ausgeben.“ Mariucci lässt diese Kritik nicht gelten. Er erklärt, dass die Gemeinde die Gebühren für Abwasser vorstrecke und die Beträge dann bei den Abnehmern wieder einfordere. Nicht umgekehrt.
Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass die Gemeinde darauf achten muss, offene Rechnungen zeitnah zu begleichen. So lesen sich auch die Zeilen, die ARA-Anwalt Christof Baumgartner an den Bürgermeister von Sand in Taufers schickt, wie eine Ernst zu nehmende Drohung. Noch Ende Jänner schrieb er: „Sollte der Gesamtbetrag von 277.371,26 Euro nicht innerhalb zehn Tagen ab Erhalt dieses Schreibens eingegangen sein, wird die ARA Pustertal AG ohne weitere Verständigung gerichtlich vorgehen, mit allen diesbezüglichen erheblichen Mehrkosten zu Ihren ausschließlichen Lasten.“
Mittlerweile, so teilten die Verwalter bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag vergangener Woche mit, sei ein Teil der Rechnungen bezahlt worden.
Der Rest soll folgen, sobald es der Kassenstand wieder zulässt.
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