Wespe gegen Wanze
Geschätzte 20 Mio. Euro Schaden hat die aus Asien importierte Marmorierte Baumwanze im vergangenen Jahr im Südtiroler Obstbau angerichtet. Nun soll ihr die Samurai-Schlupfwespe zu Leibe rücken.
von Karin Gamper
Klein und widerstandsfähig: das ist die aus Asien stammende Marmorierte Baumwanze, die sich vermehrt auch in Südtirols Apfelanlagen ausbreitet und dort für erhebliche Ausfälle sorgt. „2018 haben wir die ersten kleineren Schäden festgestellt”, sagt Stefan Pircher, „2019 lagen die geschätzten Gesamtausfälle bereits bei etwa 20 Mio. Euro”.
Pircher ist Obmann des Vereins der Absolventen Landwirtschaftlicher Schulen ALS, der im Meraner Kurhaus zur 67. Südtiroler Obstbautagung geladen hat.
Referenten aus dem In- und Ausland informierten dabei über die Neuigkeiten auf dem Apfelmarkt und im Apfelanbau.
Mit besonderem Interesse verfolgten die Obstbauern dabei den Vortrag von Giuseppino Sabbatini Peverieri.
Er ist Mitarbeiter des staatlichen Forschungsinstituts Centro di ricerca Difesa e Certificazione CREA mit Sitz in Florenz. CREA sucht bereits seit Längerem nach einer „biologischen Waffe” gegen die Marmorierte Baumwanze. Bis dato wird diese nämlich fast ausschließlich durch den verstärkten Insektizid-Einsatz mit entsprechenden Folgen für das Ökosystem bekämpft. In Zeiten der steigenden Gegnerschaft gegen Chemie auf den Feldern keine wirklich gute Perspektive. Das sieht auch Stefan Pircher so: „Wir möchten den Insektizid-Einsatz zurückfahren und auf die biologische Bekämpfung der Marmorierten Baumwanze setzen”.
Diese Möglichkeit gibt es bereits. Studien haben nämlich ergeben, dass die ebenfalls aus dem asiatischen Raum stammende Samurai-Schlupfwespe als natürlicher Gegenspieler der Marmorierten Baumwanze zu guten Ergebnissen führt. „Die Marmorierte Baumwanze wird von der Wespe zwar nicht ausgemerzt, aber ihre Ausbreitung wird eingedämmt”, erklärt Giuseppino Sabbatini Peverieri. Konkret funktioniert das dann so: Die Eier der Samurai-Schlupfwespe werden unter die Eier der Marmorierten Baumwanze gelegt. Die Larven der Wespen ernähren sich in der Folge von den Eiern der Marmorierten Baumwanze und zerstören sie dadurch.
Noch wurden die Samurai-Schlupfwespen in Italien jedoch nicht ausgesetzt. „Wir warten auf die Genehmigung des Umwelt- und des Landwirtschaftsministeriums”, sagt Giuseppino Sabbatini Peverieri. Da es sich auch bei der Samurai-Schlupfwespe um keine einheimische Art handelt, müssen vor ihrem Einsatz die Auswirkungen auf das hiesige Ökosystem analysiert werden.
Die Studien hierzu sind abgeschlossen, die Ergebnisse viel versprechend. Deshalb gehen die Experten davon aus, dass Rom noch in diesem Frühjahr grünes Licht geben wird.
Auf lokaler Ebene ist indes eine Anpassung der Landesgesetzgebung nötig, damit die Samurai-Wespe ausgesetzt werden kann. Dies soll über ein bereits vorliegendes Omnibus-Gesetz erfolgen.
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Kommentare (9)
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prof
Es wäre vielleicht noch wichtiger eine „biologische Waffe“ gegen die Zecken zu finden,denn die Folgeschäden für die Gesundheit sind äusserst bedenklich.
robby
und was wird dann gegen die Samurai-Schlupfwespe eingesetzt?
tiroler
Ohne massiven Insektiziteinsatz ist das Problem sicher nicht zu bekämpfen
robby
Lesenswert: die Tücken des biologischen Pflanzenschutzes. Meist ging das gehörig in die Hose.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/tuecken-des-biologischen-pflanzenschutzes.993.de.html?dram:article_id=154366
schwarzesschaf
Einmal fullimat spritzen und das problem wäre gelöst komisch das dies mittel in europa verboten ist und im restbder welt nicht z.b. bananenproduktion