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Der Gegenschlag

Georg Simeoni (Foto: AVS)

Die AVS-Landesleitung geht in einem Schreiben an die Funktionäre voll auf Konfrontation mit den Kritikern.

von Heinrich Schwarz

Der Streit im Alpenverein Südtirol geht weiter. Georg Larcher, Vorsitzender der gewichtigen AVS-Sektion Bruneck, der schon Mitte Dezember in einem Interview mit der TAGESZEITUNG von einer „Diktatur im Alpenverein“ sprach, kam am Donnerstag auch bei Rai Südtirol zu Wort und wiederholte seine Kritik am Führungsstil der AVS-Spitze, die zu Rücktritten von ehrenamtlichen Mitgliedern geführt hat.

Prompt kam eine Stellungnahme des AVS zu den neuerlichen Aussagen, wonach der Verein weiterhin in Krise sei. Präsident Georg Simeoni schreibt – „stellvertretend für die AVS-Landesleitung“ – kurz und bündig:

„Zu den Stellungnahmen von Georg Larcher ist so viel zu sagen, dass sich die Landesleitung, der sämtliche Referatsleiter und sechs Bezirksvertreter angehören, am 7. Jänner eingehend mit den im Raum stehenden Vorwürfen und Behauptungen befasst hat. In einer ausführlichen Stellungnahme an alle 35 Sektionen und 58 Ortsstellen wurden die Sachverhalte dargelegt und von der AVS-Landesleitung einstimmig verabschiedet.“

Der TAGESZEITUNG liegt diese Stellungnahme an die AVS-Sektionen und -Ortsstellen vor. Auf sechs Seiten werden darin die in den letzten Wochen geäußerten Vorwürfe angeführt und mit „Fakten“ (so heißt es im Dokument) kommentiert.

Es ist eher eine volle Konfrontation mit den Kritikern als ein Eingestehen von eventuellen Fehlern. Von einer Offenheit, sich in Ruhe an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu suchen, ist keine Rede.

Einleitend erinnert Georg Simeoni an den Informationsabend am 16. Dezember, der anlässlich der überraschenden Rücktritte der Verantwortlichen des AVS-Referates Jugend & Familie einberufen wurde, um die genauen Beweggründe zu erfahren.

Die Landesleitung wirft den Zurückgetretenen einmal mehr vor, vor dem Rücktritt weder ein Gespräch mit der Landesleitung oder dem Präsidium gesucht noch eine Ankündigung gemacht zu haben. Auch wird ihnen vorgeworfen, stattdessen sofort interne Mails an die Presse weitergeleitet zu haben (obwohl hunderte AVS-Funktionäre über die genannten Mails verfügten).

„Wenn schon, gehören solche Sachen zuerst einmal intern geklärt, das ist eigentlich in jedem Verein und in jedem Betrieb so üblich. Nur mit Reden kommen die Menschen zusammen, nicht aber durch Auseinandersetzungen in der Presse und schon gar nicht mit Halbwahrheiten und persönlichen Ressentiments, die dort veröffentlicht wurden“, so Simeoni weiters.

Beim Informationsabend selbst habe man nicht auf die Vorwürfe reagieren wollen, um eine Eskalation zu vermeiden. Nun stelle man schriftlich die gemachten Vorwürfe den effektiven Fakten gegenüber, „sodass sich jeder ein Bild machen kann“. Ganze 19 Vorwürfe bzw. Fakten werden aufgelistet.

So heißt es etwa zum Vorwurf der fehlenden Transparenz bei Beschlüssen und Protokollen:

„Es ist üblich, dass bei jeder Sitzung alle Referatsleiter zu Worte kommen und ihre Probleme, Projekte, Vorhaben usw. darstellen. Alle haben die Möglichkeit, von diesem Recht ausgiebig Gebrauch zu machen. Jedoch nicht alle nutzen dies! Die Beschlüsse wurden in den letzten fünf Jahren zu 96,5 Prozent einstimmig, auch mit den Stimmen der Zurückgetretenen, verabschiedet! Protokoll wurde keines abgeändert, außer es wurde von anwesenden Mitgliedern eine Richtigstellung verlangt, welcher dann auch stattgegeben wurde.“

Zum Vorwurf der fehlenden Partizipation:

„Das Referat Jugend & Familie hat vollste Freiheiten und wurde nie zur Rechenschaft gezogen. Fehlende Partizipation ist wennschon umgekehrt passiert, da über die Tätigkeiten dieses Referates den Gremien wenig vermittelt wurde, sodass es den Mitgliedern der Gremien nicht möglich war, daran im gewünschten Ausmaß zu partizipieren.“

Zum Vorwurf des „arroganten und diktatorischen Stils von oben herab“ in zusammengefasster Form:

„Alle Probleme, Projekte, Vorhaben usw. werden in den einzelnen Referaten, Fachausschüssen und Arbeitsgruppen ausführlich diskutiert, erörtert und dann den Gremien zur Entscheidung vorgelegt. Diese Beschlüsse wurden bisher zu 96,5 Prozent einstimmig gefasst. Jeder, der in den vorbereitenden Gremien, in der Landesleitung oder auch im Präsidium sitzt, hat immer die Möglichkeit, das Seine dazu beizutragen. Nach Abschluss der Diskussion und Beschlussfassung werden die Beschlüsse durchgeführt. Dass es da auch klare Ansagen braucht, ist in einem Verein mit über 70.000 Mitgliedern und 19 hauptamtlichen Mitarbeitern wohl selbstverständlich. Umso mehr, da in der Vergangenheit diese Beschlüsse von bestimmten Verantwortungsträgern nicht eingehalten worden sind“, so ein Seitenhieb gegen Georg Larcher.

Und zur Feststellung, dass der Stil der AVS-Führung zum Weggang von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen geführt habe, schreibt die Landesleitung:

„Es sind drei Referatsleiter und vier Stellvertreter zurückgetreten, davon sind, außer der Tourenleiterausschuss, alle demselben Kreis zuzuordnen, sie kommen alle aus dem Referat Jugend & Familie. Zudem ist der gesamte Fachausschuss Jugend & Familie zurückgetreten und hat eine Aussprache mit der Landesleitung am 09. Dezember 2019 verweigert! Auch von der Notfall-Hotline sind einige zurückgetreten, die zum selben Kreis gehören. Beim Tourenleiterausschuss handelt es sich um ein strukturelles Problem, welches in nächster Zeit gelöst werden soll. Beim Abgang der hauptamtlichen Mitarbeiter in den letzten zwei Jahren handelt es sich um drei Personen, die sich aus beruflichen Gründen neuen Aufgaben zugewandt haben und in keiner Weise dem ‚schlechten‘ Arbeitsklima in der Landesgeschäftsstelle zuzuschreiben ist. Wenn dies in der Presse so dargestellt wurde, entspricht es nicht den Tatsachen.“

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