Das Ultimatum
Der Konflikt zwischen den Ex-Solland-Silicon-Mitarbeitern, ihrem neuen Arbeitgeber Ecocenter und dem Land spitzt sich zu. Die Fachgewerkschaft UILTEC hat mit einer kompletten Arbeitsniederlegung gedroht.
von Karin Gamper
Explosive Stimmung herrscht hinter den Mauern der Ex-Solland-Silicon in Sinich. Die 58 verbliebenen Arbeiter des insolventen Siliziumwerks weigern sich nach wie vor, die Anlage wie vom Land angeordnet von den gefährlichen Silanen zu entleeren. Der seit Wochen anhaltende Teil-Streik betrifft nicht die Sicherheit des Werks, die von den Arbeitern nach wie vor gewährleistet wird.
Das könnte sich jedoch ändern. Die Fachgewerkschaft UILTEC hat am Donnerstag bei einer Pressekonferenz offen damit gedroht, dass die Arbeiter womöglich noch vor Weihnachten unangekündigt ihren Job niederlegen könnten. Damit wäre für die Sicherheit des Werks, welches unter die SEVESO-Richtlinien fällt, nicht mehr gesorgt. Ein Ultimatum also, mit dem die Arbeiter vor allem eines erzwingen wollen: eine Aussprache mit Landeshauptmann Arno Kompatscher, der bis dato alle Gesprächsangebote der Gewerkschaften und des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung (MISE) über eine Wiederinbetriebnahme des Werks ausgeschlagen hat. Seine Begründung: das Konkursgericht hat das Siliziumwerk gesetzesgetreu an die Burggräfler AL Invest übergeben, welche den Betrieb ersteigert hat. Die Gewaltenteilung verbiete es, dass sich die Politik in Angelegenheiten der Justiz einmische. An der Abschaltung der Anlage sei nicht mehr zu rütteln.
Völlig anders sieht dies UILTEC, die auf die Unterstützung der nationalen Fachgewerkschaften von CGIL und CISL zählen kann. Die lokalen Ableger haben sich dagegen aus dem Solland-Streit zurückgezogen.
UILTEC-Vertreter Alan Tancredi, Alfred Delmonego und Francesco Mongioì sprachen gestern von „Einschüchterungsversuchen”, denen die Ex-Solland-Mitarbeiter ausgesetzt seien. Letztere seien von den Carabinieri einzeln vorgeladen worden. Hintergrund ist die Eingabe, die die Ecocenter aufgrund der verweigerten Entleerung bei der Staatsanwaltschaft gemacht hat. Die Gewerkschaft dreht den Spieß um: Ecocenter habe nämlich gar nicht die formalen Voraussetzungen, um einen SEVESO-Betrieb zu führen. „Trotz mehrmaliger Aufforderung wurde uns die entsprechende Dokumentation nicht vorgelegt. Wenn im Werk etwas passiert, dann haften die Arbeiter”, hieß es gestern. „Stimmt nicht”, widerspricht Zivilschutzlandesrat Arnold Schuler, „auf gesetzlicher Ebene ist alles geregelt”.
UILTEC forderte am Donnerstag neben einer Aussprache mit dem Landeshauptmann auch die unverzügliche Annullierung der Entlassung von Gewerkschaftssprecher Raffaele Falasca. Dieser wurde vergangene Woche nach einem offenbar heftig ausgefallenen Disput mit einem externen Berater von Ecocenter aus triftigem Grund (giusta causa) vor die Tür gesetzt und war gestern ebenfalls anwesend. Er berichtete von zehn Mitarbeitern, die im Sommer nicht von Ecocenter angestellt wurden mit dem Versprechen, anderweitig eingesetzt zu werden. „Sie sind bis auf eine Ausnahme immer noch arbeitslos”, so Falasca.
Laut UILTEC gebe es mit MB Solar aus Südkorea weiterhin ein Unternehmen, das die Siliziumproduktion in Sinich wieder aufnehmen wolle.
Zivilschutzlandesrat Schuler erklärte gestern zur Drohung der Arbeitsniederlegung: „Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Wir haben alles Menschenmögliche unternommen und lassen uns nicht drohen. Wenn alle Arbeiter die Arbeit niederlegen, dann ist die Anlage nicht mehr sicher. Dies stellt den Strafbestand des fahrlässigen Herbeiführens einer Katastrophe dar. Ich würde mir diesen Schritt daher zweimal überlegen”.
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