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Die Holiday-Rechnung

Wie viele Gästekarten in Südtirol aktiviert werden. Wie viel das Land damit verdient. Und welche Ausflugsziele im Pustertal ausgeklammert werden.

von Silke Hinterwaldner

Wenn in diesen Wochen der Zug durch das Pustertal ausfällt, zeigt sich erst so richtig, wie wichtig dieses Transportmittel ist – auch für den Tourismus: vor allem im Sommer, aber auch im Winter, wenn die Skifahrer zu den Pisten gebracht werden oder die Weihnachtsmarktbesucher zu den Ständen in Bruneck, Innichen oder Toblach.

Aber die vielen Touristen in Zügen und Bussen gefallen nicht allen: Immer wieder beschweren sich Pendler darüber, dass gerade in der Hochsaison die Waggons und Busse überfüllt sind. Und, dass der Eindruck entsteht, dass all diese Gäste gratis mitfahren dürfen. Aber: Über den Mitgliedsbeitrag für die Tourismusvereine werden diese Gästekarten bezahlt. Im Detail bedeutet dies: Im Pustertal zählt man jährlich sieben Millionen Nächtigungen. Pro Nächtigung zahlt der Gast für den Holiday-Pass 0,55 Euro, das macht knapp vier Millionen Euro, die das Land für den Holiday-Pass im Pustertal bekommt. Dabei nutzen nicht alle Gäste die öffentlichen Verkehrsmittel, was wiederum den Schluss zulässt, dass im Grunde mehr bezahlt als genutzt wird. (Andernorts bezahlt der Gast für die Mobilitätskarte 0,70 Euro, aber weil im Pustertal flächendeckend gearbeitet wird, gibt es eine Ermäßigung.)

Zwei Ausflugsziele gibt es im Pustertal, die nicht mit dem Holiday-Pass verrechnet werden können: Für die Strecke nach Auronzo zu den Drei Zinnen und zum Pragser Wildsee müssen die Besucher unabhängig von der Gästekarte bezahlen.

All dies aber scheint nur schwer vermittelbar zu sein: Spätestens seit einem Beschlussantrag des Team K im Südtiroler Landtag ist klar, dass das Konzept Holiday-Pass auf viel Kritik stößt. Im Antrag hieß es: Es entstehe bei den Südtirolern  „der diffuse Eindruck, dass sie es seien, die mittels Landesgeldern das Mobilitätsangebot zum Nutzen der Touristen finanzieren“. Es dürfe daher nicht verwundern, wenn es in den sozialen Medien eine Empörung über die Ungleichbehandlung zwischen Einheimischen und Gästen gebe.

Auf eine Anfrage der Freiheitlichen Abgeordneten Ulli Mair hin, legt Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider die Zahlen vor: Insgesamt gibt es in Südtirol derzeit 15 verschiedene Gästekarten, mit denen öffentliche Verkehrsmittel genützt und zum Teil auch Museen oder Schwimmbäder besucht werden können. Im Jahr 2018 wurden 1,692 Millionen Gästekarten aktiviert. In Summe nehmen 5.748 Betriebe an den Initiativen teil. Das Land bekommt auf diesem Weg jährlich rund neun Millionen Euro. Ulli Mair fordert, dass gleichzeitig mit dem Ausbau der Gästekarten auch der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden müsse.

LESEN SIE AM MITTWOCH IN DER PRINT-AUSGABE:

  • Wie das System Holiday-Pass funktioniert.
  • Und: Warum sich Einheimische darüber aufregen, dass Touristen die öffentlichen Verkehrsmittel im Pustertal so gut wie kostenlos nutzen können und damit in der Hochsaison auch noch für überfüllte Busse und Züge sorgen.
Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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