Auf der Alm gibt’s koa Auto
Keine Zufahrt für PKW von Hotelgeästen und Ausflüglern: Landschaftsschutz-Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer wartet mit einer radikalen Vorgabe zur künftigen Mobilität auf der Seiser Alm auf.
Von Thomas Vikoler
Maria Hochgruber Kuenzer, seit wenigen Monaten Landesrätin für Raumordnung und Landschaftsschutz, war am Montag in der Landesregierung die Einzige, die gegen eine Genehmigung der Machbarkeitsstudie für eine Kabinenbahn von Kastelruth auf die Seiser Alm stimmte. Das Ja der übrigen abstimmenden Mitglieder der Landesregierung wurde allerdings an einige Bedingungen geknüpft, die nun erst ausformuliert werden müssen.
Eine zentrale Bedingung ist die Erstellung eines Verkehrskonzepts. Nicht allein eines für den Autoverkehr zwischen Seis und Kastelruth, wie es die Marinzen GmbH mit ihrem Antrag eingebracht hat, sondern (auch) für die gesamte Seiser Alm.
Dazu wartet die Landesrätin aus dem Pustertal mit einer radikalen Vorgabe auf: Die Seiser Alm soll beinahe völlig autofrei werden. Die Zufahrt zur Alm soll mit der Inbetriebnahme der am Montag genehmigten Bahn von Kastelruth aus allein Ortsansässigen, Grundeigentümern (Bauern) und Lieferanten erlaubt werden.
Die PKW von Hotelgästen und Ausflüglern sollten nach den Vorstellungen von Hochgruber Kuenzer nicht mehr auf die Seiser Alm fahren.
„Das ist die zweite Seite der Medaille zur Zustimmung für eine weitere Bahnverbindung“, betont die Landesrätin, „es braucht nun ein sinnvolles Konzept, um die Alm zusätzlich vor Autoverkehr, Abgasen und Lärm zu schützen“.
Also eine Verkehrslösung, wie sie nach Inbetriebnahme der Umlaufbahn von Seis auf die Alm vor 15 Jahren kurz diskutiert worden war. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss, der PKW die Fahrt auf die Alm außerhalb des Zeitfensters 9.00 bis 16.00 Uhr erlaubt. Hotelgäste können derzeit bei Vorlage eines Buchungsbelegs jederzeit auf die Alm fahren und dort auch peripher gelegene Hotels ansteuern.
Speziell im Sommer fahren zudem mehrere hundert Autos von Ausflüglern (vor 9.00 Uhr) nach Kompatsch, wo sie auf einem großen Parkplatz parken können.
Diese beiden Kategorien – die Autos von Hotelgästen und Ausflüglern – möchte Hochgruber Kuenzer gänzlich von der Alm verbannen. Darauf müsse auch, so fordert die Landesrätin, das kürzlich vorgestellte Verkehrskonzept für Kompatsch des Architekten Thomas Urthaler abgestimmt werden. Dieses sieht u.a. die Errichtung einer Tiefgarage vor.
Die Vorgabe Hochgruber Kuenzers richtet sich – neben der Marinzen GmbH – insbesondere an die Gemeinde Kastelruth. Bürgermeister Andreas Colli (SVP) bemühte sich allerdings vor einigen Jahren, die bestehende Fahrten-Regelung zu lockern, scheiterte aber am Widerstand der Landesstellen.
Hochgruber Kuenzer bemüht sich, den aktuellen (und künftigen) Bahnbetreibern eine autofreie Seiser Alm schmackhaft zu machen: „Sie können solcherart mehr Fahrten machen, was auch wirtschaftlich sinnvoll ist“. Die Hotelgäste müssten nach einer eventuellen Inbetriebnahme der Bahn von Kastelruth auf die Alm (deren Bergstation jedoch auf dem etwas entlegenen Puflatsch entstehen soll) mit anderen Verkehrsmitteln in ihre Herbergen gebracht werden. „Das lässt sich sicher organisieren“, ist die Landesrätin überzeugt. Die Autos müssten dafür im Tal, also in Seis oder Kastelruth, bleiben.
Dass Inhaber der Hotels auf der Seiser Alm, die seit der Teil-Schließung der Alm-Straße groß expandierten, damit einverstanden sein werden, lässt sich bereits jetzt ausschließen.
Aber ein Verkehrskonzept ist eine der Auflagen für das Ja zur insgesamt dritten Kabinenbahn (inklusive jener aus St. Ulrich) auf die Seiser Alm.
Landerätin Hochgruber Kuenzer erhält gleich Unterstützung von Lega-Landesrat Massimo Bessone: „Eine Sperre für den Individualverkehr brächte zuallererst den Bürgern von Kastelruth einen Vorteil“.
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