­
Du befindest dich hier: Home » Gesellschaft » Die Collaudo-Falle

Die Collaudo-Falle

Die Kamera im Inneren des Autos

Die Ortspolizei von Brixen arbeitet – genauso wie jene in Neumarkt und Schenna – mit einer versteckten Kamera, die checkt, ob Collaudo und Versicherung regulär bezahlt wurden. Dutzende Autofahrer tappen in die Falle – weil sie nicht über die fällige Überprüfung informiert wurden.

von Silke Hinterwaldner

„Der Collaudo ist wichtig, keine Frage“, schickt Wolfang Gafriller voraus, „jedes Fahrzeugt benötigt ab und zu eine Überprüfung. Das ist für die Verkehrssicherheit unerlässlich.“

Aber an der Art und Weise wie gestraft wird, hat der Gemeinderat aus Barbian einiges auszusetzen. Der Reihe nach: Vor einigen Tagen, Wolfgang Gafriller hatte gerade Öl wechseln lassen und sein Auto auf Vordermann gebracht, war er in Richtung Brixen unterwegs. Kurz vor der Stadteinfahrt wurde er von einer Streife der Ortspolizei angehalten. Die böse Überraschung: Gafriller hätte bereits vor einem halben Jahr zur Fahrzeugüberprüfung – besser bekannt unter der Bezeichnung Collaudo – müssen. Die Folge: 170 Euro Bußgeld. Als er sich dann auf den Weg zum Mechaniker machte, um den Collaudo so schnell als möglich nachzuholen, erklärte dieser ihm, dass auffallend viele Autofahrer in Brixen aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie Collaudo, Revision oder gar die Versicherung vergessen hatten zu bezahlen. Die allermeisten von ihnen tun dies nicht in hinterlistiger Absicht, um sich die vorgeschriebene Kontrolle zu ersparen, sondern schlicht, weil sie den Termin vergessen hatten.

Die Ortspolizei in Brixen hat sich ein gefinkeltes System angeschafft, um all diese nachlässigen Autofahrer zu bestrafen.  In einem unscheinbaren, privaten PKW ist eine Videokamera montiert, die alle Kenntafeln der vorbeifahrenden Fahrzeuge liest. Zeitgleich können die Ortpolitzisten wenige Meter weiter in Echtzeit verfolgen, ob der Inhaber eines Fahrzeuges mit allen Vorschriften in Ordnung ist. Wird ein Auto ohne Collaudo, Revision oder Versicherung ausgeforscht, kann es sofort gestoppt werden. Und der Fahrer muss Strafe bezahlen. Immerhin: Bei fehlender Versicherung (was eher selten vorkommt) werden 841 bis 3.000 Euro fällig. Bei fehlender Revision sind es zwischen 155 und 624 Euro.

„Hier wird der Bürger ausgenutzt und hintergangen“, ärgert sich Wolfgang Gafriller. Denn: Warum setzen Ortspolizei und Politik nicht verstärkt auf Sensibilisierung anstatt mit den Bußgeldern abzukassieren? „Wenn die Überprüfung über dieses System so problemlos funktioniert, sollte es doch auch möglich sein, die Bürger an den fälligen Collaudo zu erinnern, per Mail, SMS oder mit einem Brief.“  Wer keinen aufmerksamen Mechaniker hat, der diesen Job übernimmt, vergisst nicht selten die Termine für Collaudo oder Revision. Die Ortspolizei aber nütze so eine Lücke aus, um sehr viel Geld zu kassieren. „Ich habe nichts dagegen“, sagt Gafriller, „dass die Polizei Kontrollen durchführt. Aber ich finde es eine Frechheit, wie man den Leuten systematisch das Geld aus der Tasche zieht. Ohne vorher darüber zu informieren, dass die Überprüfungen fällig sind.“

Aber nicht nur in Brixen hat die Ortspolizei die Überwachungskameras von Targa Systems angekauft, um so all jene bestrafen zu können, die ohne Fahrzeugüberprüfung unterwegs sind. In ganz Italien arbeiten mittlerweile über 500 Gemeinden mit diesem System. In Südtirol muss man nicht nur im Großraum Brixen, sondern auch in Neumarkt und Schenna ganz besonders gut aufpassen, um nicht in die Fotofalle zu tappen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (17)

Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen

Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.

2025 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl Impressum | Privacy Policy | Netiquette & Nutzerbedingungen | AGB | Privacy-Einstellungen