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Die Blaupause

Die Diözese Bozen-Brixen nimmt Inspektor Christian Alber in der Causa der Religions-Broschüren in Schutz. Indes schießt sich die SVP auf „Kopiermaschine“ Ulli Mair ein.

Von Matthias Kofler

Auf Anfrage der TAGESZEITUNG hat sich nun auch Bischof Ivo Muser in die Causa der Religions-Broschüren eingeschaltet. Im Raum steht der Verdacht, dass Christian Alber, der sich vorübergehend von seinem institutionellen Amt als Religionsinspektor entbinden hat lassen, zwei Texte zu Religionsthemen von Broschüren aus Rheinland-Pfalz abgekupfert und als Eigenproduktionen des Deutschen Schulamtes verschickt hatte. Es geht zum einen um eine Info-Broschüre zur Integration von muslimischen Schülern, zum anderen um zehn Tipps für den Religionsunterricht, die beinahe wortgleich auch in Deutschland publiziert worden waren.

Der für den Religionsunterricht zuständige Leiter des Amtes für Schule und Katechese der Diözese Bozen-Brixen, Markus Felderer, teilt auf Ersuchen des Bischofs mit, „dass wir als Katholische Kirche grundsätzlich für die Integration Angehöriger anderer Religionsgemeinschaften sind“. Bei der Polemik rund um die „Islam-Broschüre“ habe er den Eindruck, dass es nicht mehr um die Sache, also um die Integration gehe.

Felderer stellt klar, dass die Diözese dem Schulamt drei mögliche Kandidatinnen und Kandidaten fürs Religionsinspektorat vorschlägt. Die definitive Auswahl trifft dann das Schulamt. Für die Broschüre „10 gute Gründe für den Religionsunterricht“ seien von den Herausgebern in Deutschland die Rechte eingeholt worden. Diese hätten die Broschüre an die Südtiroler Bedürfnisse angepasst und die druckfertige Datei zugeschickt, so Markus Felderer.

Selbiges dürfte auch bei der Islam-Broschüre der Fall gewesen sein, weshalb Christian Alber kein Plagiat vorgeworfen werden kann. Vielmehr dürften die Führungskräfte – sprich Schulamtsleiterin Sigrun Falkensteiner, Bildungsdirektor Gustav Tschenett und Bildungslandesrat Philipp Achammer – es verabsäumt haben, die Texte zu kontrollieren, bevor sie an die Schulen weitergeleitet wurden.

Indes schießt sich die SVP-Spitze auf die Freiheitliche Ulli Mair ein. Diese hatte SVP-Obmann Philipp Achammer vorgeworfen, das Deusche Schulamt nicht mehr unter Kontrolle zu haben. „Anscheinend ist es beim Deutschen Schulamt schon länger üblich, ohne jegliche Quellenangabe ganze Broschüren und Inhalte von bundesdeutschen Schulämtern und Institutionen zu übernehmen. Dazu muss Bildungslandesrat Philipp Achammer Auskunft geben“, so die Freiheitliche.

Die SVP verweist darauf, dass Ulli Mair selbst schon als „Kopiermaschine“ enttarnt wurde und daher nicht über andere urteilen sollte. Im Jahr 2016 deckte die TAGESZEITUNG auf, dass Ulli Mair Dutzende Pressemitteilungen wortgleich von Zeitungen, Online-Portalen und von Aussendungen der Schwesterpartei FPÖ kopiert hatte. Mair verteidigte sich damit, die Ursprungstexte nicht gekannt zu haben. Darüberhinaus seien Pressemitteilungen ja „Argumente und keine Diplom- oder Doktorarbeit!“ Die TAGESZEITUNG bezeichnete den peinlichen Vorfall als „Blaupause“.

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