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Vater unter Tatverdacht

Das Weiße Kreuz im Skigebiet Haider Alm (Foto: Rai Südtirol)

Vor elf Monaten starben die 45-jährige Petra Theurer und ihre elfjährige Tochter Mia bei einem Lawinenabgang auf der Haider Alm. Inzwischen wird gegen ihre sieben Begleiter wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Von Thomas Vikoler

Während der wärmeren Monate ist selten von Lawinenunglücken die Rede. Vielleicht ziehen sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu einer Tragödie, die sich am 3. Jänner dieses Jahres auf der Haider Alm ereignete, deshalb so hin.

Es ist bisher nicht geklärt, ob es strafrechtlich Verantwortliche für den Tod der 45-jährigen Petra Theurer aus Ludwigsburg in Baden-Württemberg und ihrer elfjährigen Tochter Mia gibt.

Sie waren beim Aufstieg außerhalb der Piste von einer 150 Meter breiten und 300 Meter langen Lawine erfasst und getötet worden.

Petra Theurer wurde von der Bergrettung nach einer aufwändigen Suchaktion, über ihrer Tochter liegend, geborgen.

Nun wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft formell Ermittlungen gegen die sieben Begleiter der Getöteten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen hat.

Darunter auch Dirk Theurer, dem Ehemann von Petra Theurer und Vater der gemeinsamen Tochter Mia. Ein menschlich absurder, aber juristisch nachvollziehbarer Schritt: Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, dass die Todeslawine aller Voraussicht nach von den Teilnehmern der Skitour ausgelöst wurde, die in zwei nebeneinander aufsteigenden Gruppen unterwegs waren.

Es handelt sich allesamt um Mitglieder der Schneeläuferzunft Ludwigsburg. Sie waren nach der Tragödie von den Carabinieri einvernommen worden und haben ihre Version des Geschehenen geschildert.

„Bild“-Titel zur Tragödie im Vinschgau

Wie es um die einzelnen Verantwortlichkeiten steht, dass soll nun ein Gerichtsgutachter klären. Die Staatsanwaltschaft hat, bereits vor einigen Monaten, an den Voruntersuchungsrichter einen Antrag auf Einleitung eines Beweissicherungsverfahrens gestellt.

Ein Gutachter ist bisher aber nicht ernannt worden. Es gibt offenbar kaum Lawinenexperten, die sich zu einer Beurteilung des Falles ex post in der Lage sehen.

Das Gutachten müsste aufgrund des vorliegenden Aktenmaterials – Fotos von der Lawine bzw. der Abbruchstelle, Luftaufnahmen von einem Hubschrauber-Flug der Carabinieri, die Aussagen von Zeugen – herausfinden, wie und von wem genau die Lawine ausgelöst wurde. Aber auch, ob jemand der Beteiligten eine Garantieposition gegenüber den anderen – etwa als Bergführer oder Ausbildner – hatte.

Dass sich die Gruppe aus Ludwigsburg mit dem Aufstieg außerhalb der Piste einem großen Lawinenrisiko ausgesetzt hat, ist unbestritten: In den Tagen davor hatte es viel geschneit und Orkanböen von bis zu 150 Stundenkilometern gegeben. Für den Alpenhauptkamm, im speziellen vom Reschen bis Brenner, hatte der Lawinenwarndienst stellenweise Stufe 4 („große Gefahr“) ausgegeben. An der Bergstation des Haider-Alm-Lifts waren zudem mehrere Schilder angebracht, die vor dem Aufenthalt außerhalb der Skipiste warnten.

Allesamt potentielle Indizien für ein fahrlässiges Verhalten.

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