Pancheris Schachbrett
Für Urgestein Kurt Pancheri hätte die Lega mit deutschen Kandidaten bei den Landtagswahlen noch besser abgeschnitten. Und er warnt davor, sich von der SVP über den Tisch ziehen zu lassen.
Von Matthias Kofler
Kurt Pancheri ist seit mittlerweile 25 Jahren Lega-Mitglied. Der Bozner Gemeinderat hielt der rechtspopulistischen Partei in vielen schweren Zeiten die Treue, ging für sie durch dick und dünn. Krisen gab es in den zweieinhalb Jahrzehnten einige zu bewältigen. Der absolute Tiefpunkt ist keine fünf Jahre her: In der abgelaufenen Legislaturperiode war der „Carroccio“ nicht mehr im Landtag vertreten, nachdem ihm die Abgeordnete Elena Artioli im Zuge des nationalen Fraktionsgelder-Skandals den Rücken gekehrt hatte. Doch seit Matteo Salvini bei der Lega das Ruder in die Hand genommen hat, läuft es für die Partei wieder. Bei den Südtiroler Landtagswahlen vor einer Woche erreichte die Lega 11,1 Prozent der Stimmen und zog mit vier Abgeordneten ins Hohe Haus ein.
Trotzdem ist für Kurt Pancheri zurzeit nicht alles Gold, was glänzt. Der deutschsprachige Gemeinderat war von Lega-Kommissär Massimo Bessone nicht auf die Kandidatenliste für die Landtagswahlen gesetzt worden. „Es ist wichtig, dass wir nur die Besten aufstellen, denn wir müssen jetzt Resultate liefern“, begründete Bessone seine Entscheidung.
Pancheri hat die Ausbootung freilich nicht geschmeckt. Das sei ein Fehler gewesen, betont das Lega-Urgestein. Nicht so sehr, weil er, Pancheri, dadurch keinen Landtagssitz ergattern konnte. Vielmehr sei es so, dass die Lega bei den deutschsprachigen Wählern ihr Potential bei weitem nicht habe ausschöpfen können. „Wir hatten fast keine deutschsprachigen Kandidaten auf der Liste, in den Dörfern hingen nur italienische Plakate. Massimo Bessone hat eine typische italienische Mentalität und zu sehr auf sich selbst geschaut“, kritisiert Pancheri. Der „Leghista“ ist überzeugt, dass seine Partei mit einer stärkeren Fokussierung auf deutschsprachige Wähler noch deutlich besser abgeschnitten hätte. Der Lega fehlten schließlich nur 300 bis 400 Stimmen auf das fünfte Mandat. „Das müssen wir beim nächsten Mal besser machen. Die Lega hat das Potential, dass sie bei den Landtagswahlen 2023 je zur Hälfte von deutschen und italienischen Bürgern gewählt werden“, hofft Pancheri.
Der Bozner Gemeinderat appelliert an die vier Neo-Abgeordneten der Lega, sich bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen von der SVP nicht über den Tisch ziehen zu lassen. „Die SVP sucht sich immer den Schwächsten aus. Das haben wir bei Christian Tommasini gesehen. Sie verspricht ihren potentiellen Partnern ein Landesrat-Gehalt, einen Dienstwagen und zwei Sekretärinnen mit Minirock“, meint der Lega-Exponent. Die SVP sei es jedoch „nicht gewohnt zu geben“.
Vor allem in der Europapolitik sind die SVP und die Lega noch weit voneinander entfernt. Kurt Pancheri macht nicht den Eindruck, dass der „Carroccio“ in absehbarer Zeit einen Kurswechsel einschlagen wird: „Wir sind zwar überzeugte Europäer, doch gegen das heutige Europa. Die Bürger wollen dieses Europa der Banken und Bürokraten nicht.“
Die möglichen Koalitionsverhandlungen zwischen SVP und Lega, die Pancheri mit einem Schachbrett vergleicht, würden allerdings nur zu einem Teil hier in Bozen entschieden. Die Konzessionsverlängerung zur Führung der Brennerautobahn, die Regierung auf Regionalebene, aber auch eine mögliche Allianz bei den nächsten EU-Wahlen – alles Themen, die für die SVP wichtig sind – werde man außerhalb von Südtirol ausschnapsen. Dabei will auch Matteo Salvini ein gehöriges Wörtchen mitreden.
Kommentare (13)
Lesen Sie die Netiquette und die Nutzerbedingungen
Du musst dich EINLOGGEN um die Kommentare zu lesen.