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„Es war ein Fehler“

Peter Faistnauer steht unter Beschuss: Der Bürgermeister in Freienfeld und Kandidat im Team Köllensperger hat bei der Verleihung der Verdienstkreuze auf Schloss Tirol sein Auto an der falschen Stelle abgestellt.

von Erna Egger

„Eigentlich ist dieser Vorfall nicht der Rede wert“, wehrt Peter Faistnauer ab. Viele mögen dem Bürgermeister der Gemeinde Freienfeld beipflichten. Seine Kontrahenten und Kritiker sind jedoch anderer Ansicht. Dem Kandidaten auf der Liste Team Köllensperger ist am Sonntag ein Fauxpas unterlaufen, jetzt muss er Kritik und Häme ertragen.

Zur Erinnerung: Am 9. September haben die beiden Landeshauptleute von Südtirol und Tirol, Arno Kompatscher und Günther Platter, auf Schloss Tirol die Landesverdienstkreuze und Lebensrettungsmedaillen überreicht. Insgesamt 54 Persönlichkeiten diesseits und jenseits des Brenners wurden für ihre besonderen Verdienste um die beiden Länder ausgezeichnet. Neun Südtiroler erhielten das Verdienstkreuz, zwei die Lebensrettungsmedaille.

Zum großen Festakt war auch Peter Faistnauer geladen. Er war jedoch eine Dreiviertelstunde in Verspätung. Auf der Fahrt, kurz unterhalb des Schlosses, nahm er noch eine „führende Persönlichkeit mit“, die ebenfalls nicht pünktlich war.
„Ich werde diese Person aber nicht in die Sache hineinziehen“, wehrt der Bürgermeister ab.
Während alle anderen Gäste ihr Fahrzeug auf dem großen Parkplatz abstellten und zu Fuß zum Schloss gingen oder den Shuttlebus nahmen, ließ Faistnauer seinen Wagen direkt vor dem Schloss stehen.

Sein Falschparken blieb nicht unentdeckt: ein gefundenes Fressen für seine Kontrahenten, gerade weil das Team Köllensperger jüngst gegen die Politiker-Privilegien gewettert hat.

Von Faistnauers Fahrzeug wurde ein Foto geschossen, das ins Internet gestellt wurde. Auf der Facebook-Seite „Autonomie schützen – Wählen gehen“ wird Faistnauer an den Pranger gestellt.

„Ein prominenter Kandidat der Liste Paul Köllensperger aus dem Wipptal hat bei der Verleihung der Verdienstorden auf Schloss Tirol seinen Wagen (vermutlich ohne Lizenz) bis vor die Eingangstür des Schlosses gefahren und dann auch noch ganz frech davor abgestellt. Wollen wir in Zukunft wirklich solche Politiker? Auf der einen Seite gegen die ‚Privilegien’ schreien und auf der anderen Seite zu bequem sein, um mit dem Shuttlebus zu fahren oder zu Fuß zu gehen. Ist das die sachliche, neue Art?“, prangern die Betreiber der Seite an.

Wer genau hinter diesem Eintrag steckt, wird nicht preisgegeben – auch auf Anfrage eines Kommentators nicht. Die Betreiber der Facebook-Seite wollen sich nicht outen, sie bleiben lieber anonym und beschreiben sich als „politisch interessierte Bürger“, die dafür eintreten, dass man „alle Seiten der Medaille anschaut!“

Vielleicht ist es manchmal einfacher, aus dem Hinterhalt zu schießen.
Der Facebook-Eintrag hat jedenfalls eine Welle von Reaktionen ausgelöst. Die Kommentare sind unterschiedlicher Natur: Verurteilungen, Verteidigungen und humorvolle Beiträge wechseln sich ab.

„Es ist wirklich anstrengend, hier zu Fuß hochzugehen. Das schaffen die nie“, witzelt ein User.
„Sind das die Kämpfer gegen die viel gescholtenen Privilegien?“, krittelt hingegen die SVP-Wipptal.
Andere sind mit Faistnauer nachsichtig. Ein weiterer Diskussionsteilnehmer postet: „Es ist traurig, wenn man so etwas veröffentlichen muss, um eine Person schlecht zu machen. Man sieht hier die Kurzsichtigkeit Einzelner, die die reellen Probleme gar nicht kennen, z. B. Sanität, Einwanderung, Altersarmut.“

Der Bürgermeister aus Freienfeld lässt seinen Fauxpas nicht unkommentiert. Faistnauer entschuldigt sich. Im sozialen Netzwerk schreibt er: Er sei in Verspätung gewesen, kein Shuttlebus sei mehr zirkuliert. Er habe eine weitere geladene Person mitgenommen, schließlich habe ihn ein Feuerwehrmann eingewiesen und ihn vor dem Schloss parken lassen. „Nichtsdestotrotz war dies nicht in Ordnung, ich stehe zu meinem Fehler“, so der Bürgermeister.

Gegenüber der TAGESZEITUNG erklärt er: „Ich hatte ursprünglich vor, wieder rückwärts zu fahren und anderswo zu parken, aber ein Feuerwehrmann zeigte mit an, dass ich mein Auto an dieser Stelle stehen lassen darf. Außerdem war die Straße an diesem Tag für den Besucherverkehr gesperrt. Daher habe ich kein Problem gesehen.“

Zu den Privilegien-Vorwürfen sagt er: „Das war kein Privileg, sondern ein Fehler meinerseits. Und Fehler kann auch ein Politiker machen.“

Schließlich fügt der Landtagskandidat noch hinzu: „Damit ist die Sache für mich nun gegessen.“
Ähnlich sehen es andere Diskussionsteilnehmer auf der Seite „Autonomie schützen – Wählen gehen“. Ein Kommentator schreibt: „Ich finde das nicht so schlimm. Die Feuerwehr hat ihn durchgelassen, es handelt sich sicher um eine private Zufahrt. Peter Faistnauer hat die leicht unanständige Sache gerechtfertigt und das passt so. Wer macht denn aus so einer Mücke einen Elefanten? Einfach kindisch.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (24)

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