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„Opposition ohne Schneid“

SVP-Senator Karl Zeller empfiehlt den Auslandssüdtirolern, den PD zu wählen – und er schiebt den Freiheitlichen die Schuld am müden Wahlkampf in Südtirol zu.

Tageszeitung: Herr Senator, Ihr Parteikollege Oswald Schiefer wirft den SVP-Parlamentariern in Rom vor, die Auslandssüdtiroler im Regen stehen zu lassen, weil diese am 4. März das Edelweiß nicht ankreuzen können. Zu recht?

Karl Zeller: Das Problem liegt bei den Auslandswahlkreisen. Wir haben alle möglichen Szenarien durchgespielt. Fakt ist, dass wir bei einem Antreten in einem der vier großen Auslandswahlkreise 0,0 Chancen auf ein Mandat gehabt hätten. Im Ausland leben hundert Mal mehr Italiener als Südtiroler. Man muss bedenken, dass wir bei einem eigenen Antreten auch Wahlwerbung hätten betreiben müssen. Es ist eine blöde Situation für uns. So leid es mir tut, aber angesichts der aussichtslosen Ausgangslage blieb uns am Ende nichts anderes übrig, als in den Auslandsweilkreisen nicht anzutreten.

Wem sollen die Auslandssüdtiroler am 4. März die Stimme geben?

Das ist ganz einfach: nämlich jenen Parteien, die mit uns verbündet und autonomiefreundlich sind.

Die SVP will aber für künftige Parlamentswahlen noch einmal am Wahlgesetz Hand anlegen, um die Wahlmöglichkeiten für die Auslandssüdtiroler zu verbessern?

Ja, im Moment sind die Fristen, in denen sich die Auslandssüdtiroler für die Stimmabgabe in Südtirol anmelden können, einfach zu kurz. Diese sollten unbedingt verlängert werden. Da habe meine Nachfolger im Parlament also auch noch etwas zu tun (lacht).

Ihr Eindruck vom Parlamentswahlkampf in Südtirol?

Ich war vor kurzem auf einer Wahlveranstaltung des PATT in Rovereto und war beeindruckt von der dortigen Stimmung. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Veranstaltung für Ugo Rossi und Co. war ein voller Erfolg. Der PATT geht voll motiviert in die Wahlen. Die Stimmung im Trentino ist ganz anders als in Südtirol.

Wie können Sie sich das erklären?

Im Trentino gibt es einen Wahlkampf mit einem politischen Gegner, während in Südtirol die deutsche Opposition nicht antritt. Das ist ein Armutszeugnis für die Opposition.

Die Freiheitlichen und die Süd-Tiroler Freiheit begründen ihr Fernbleiben mit dem Wahlgesetz, das auf die SVP maßgeschneidert worden sei …

Das ist eine Ausrede. Tatsache ist, dass durch das Mehrheitswahlrecht sich die Chancen für die Opposition, ein Mandat zu erzielen, im Vergleich zu 2013 verdoppelt haben. Jetzt haben sie in vier Wahlkreisen mit deutscher Mehrheit die Chance, einen Sitz in Rom zu ergattern, während dies vor fünf Jahren nur in zwei Senatswahlkreisen der Fall war. Und 2013 sind die Freiheitlichen ja noch angetreten. Heute fehlt ihnen die Schneid. Es nutzt nichts, nur auf den Andreas-Hofer-Gedenkfeiern schneidige Worte zu schwingen und dann bei den Wahlen nicht die Schneid zu haben, um selbst Flagge zu zeigen. Es stimmt, dass im Wahlkampf die großen Themen fehlen, doch dafür trägt die Opposition die Schuld, weil sie nicht antritt.

Die Opposition fordert einen einheitlichen Wahlkreis in Südtirol, in dem nach dem reinen Verhältniswahlrecht gewählt wird. Ein realistisches Ziel?

Nein, in Italien wird es nie ein Wahlgesetz ohne Hürden geben, denn ansonsten könnte sich jede politische Kraft von heute auf morgen als Minderheitenpartei erklären. Unabhängig von der 20-Prozent-Sperrklausel auf regionaler Ebene hätte die Opposition eine Chance gehabt, ein Mandat zu erzielen. Die Freiheitlichen und die Süd-Tiroler Freiheit hätten sich nur zusammenschließen müssen. Wenn sie in einem Wahlkreis mehr Stimmen als wir erzielt hätten, wären sie nach Rom gekommen. Doch offensichtlich sind die Oppositionsparteien zu sehr verstritten, dafür brauchen sie aber nicht uns die Schuld zu geben. Ihnen ist lieber, wenn keiner nach Rom kommt als einer, der nicht von ihnen ist. Das ist ein Armutszeugnis.

Interview: Matthias Kofler

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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