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Das 90-Millionen-Loch

Serafin Unterholzner kommt wegen des Lanabau-Konkurses mit milden vier Jahren Haft davon. Laut Masseverwalter Michael Palla hinterlässt er 90 Millionen an ungedeckten Schulden. Durch die Finger schauen vor allem Handwerker und Ex-Wohnungskäufer.

Von Thomas Vikoler

Serafin Unterholzner will nicht reden. Und das trotz der guten Nachricht, die ihm Ende Jänner seine Anwälte Paolo Fava und Beniamino Migliucci überbracht haben. Das Oberlandesgericht Trient hat, wie berichtet, im Rahmen eines Vergleichs (auch das gibt es – seit Sommer – in der italienischen Strafprozessordnung), Unterholzners Haftstrafe von sieben auf vier Jahre reduziert.

Die Haftstrafe wegen betrügerischen Bankrotts seines Firmengeflechts um das Bauunternehmen Lanabau im Jahre 2006. Nach den beiden erstinstanzlichen Urteilen lag das Gesamt-Strafmaß für den Baumeister aus Völlan noch bei dreizehneinhalb Jahren Haft.

Im günstigsten Fall bleibt Unterholzner, der 2009 neun Tage in U-Haft verbrachte, ein Gefängnisaufenthalt erspart.

Die nun festgelegte Haftstrafe von vier Jahren ist freilich in Relation mit dem zu setzen, was der Lanabau-Konkurs alles bewirkt hat. Und das ist beinahe unglaublich. Laut dem Bozner Wirtschaftsprüfer Michael Palla, Masseverwalter im weiter offenen Konkursverfahren, hinterlässt Unterholzner rund 90 Millionen Euro an ungedeckten Schulden.

Schulden, die der Masseverwalter inzwischen als „nicht begleichbar“ einstuft. Anders ausgedrückt: 90 Millionen Euro Loch.

Am 22. Mai 2006 eröffnete Richter Edoardo Mori den Konkurs gegen das Lanabau-Firmengeflecht. Damals war von Verbindlichkeiten im Ausmaß von 80 Millionen Euro die Rede, später stieg der Betrag auf rund hundert Millionen Euro.

Inzwischen steht die Höhe der von Gläubigern beim Konkursgericht angemeldeten Ausstände fest: Es sind nicht weniger als 110 Millionen Euro.

Dabei hatte Serafin Unterholzner, der gerne mit dem Hubschrauber unterwegs war und sich in seiner Villa in Völlan einen Luxus-Weinkeller einrichtete, nach der Konkurseröffnung betont: Hätte ihn die Banken nicht fallengelassen, wäre sein Bau-Imperium zu retten gewesen.

Von wegen. Wie sich nicht erst jetzt zeigt, waren die Kredite von Lanabau bei hiesigen und österreichischen Banken schwach durch Vermögen gedeckt. Die vom Konkursverwalter durchgeführten Verkäufe des Firmenvermögens und einem Anteil Privatvermögens brachten Erlöse von gerade 29,7 Millionen Euro. Insgesamt wurden 110 Immobilienlose veräußerst, darunter auch Wohnungen, die von Lanabau-Firmen bereits an Private verkauft worden waren. Zum Leidwesen der Käufer waren die Wohnungen nicht grundbücherlich überschrieben. Sie fielen also zurück in die Konkursmasse.

An Gläubiger geflossen sind bisher aber lediglich 18.462.000 Euro. Zum Zuge kamen vornehmlich privilegierte Forderungen der Banken, der Angestellten und des INPS. Die übrigen Gläubiger – insbesondere Handwerker, Lieferanten und Ex-Wohnungskäufer – schauten durch die Finger. Sie mussten ihre Forderungen zumeist im vollem Umfang abschreiben.

„Das war für viele anfangs eine große Tragödie“, sagt Masseverwalter Palla, „es hat sich bald gezeigt, dass die Schulden aus der Konkursmasse nicht zu begleichen waren“.

Denn auch die Abwicklung eines Konkurses bzw. der Rückbau eines Firmengeflechts kostet Geld: Für diese beiden Prozeduren mussten nicht weniger als 6,7 Millionen Euro aus dem ehemaligen Lanabau-Vermögen herangezogen werden. Ausgaben für Hypotheken, Löschung von Hypotheken, Registergebühren, Konduminiumspesen usw.

Die übriggebliebenen 4,5 Millionen Euro werden vorerst zurückgehalten, um vor dem Abschluss des Konkursverfahrens auf (privilegierte) Gläubiger aufgeteilt zu werden.

Das könnte einige weitere Jahre dauern, denn es behängen zwei Streitverfahren. So hat der Masseverwalter eine Entscheidung der Agentur der Einnahmen zur Löschung von fünf Hypotheken angefochten. Vom Urteil der Steuerkommission zweiten Grades in Bozen am 14. Februar 2012 vergingen sechs Jahre bis zur Entscheidung der Kassation. Diese hat nun angeordnet, dass der Fall erneut vor der Berufungsinstanz der Steuerkommission verhandelt werden muss. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil werden mehrere Jahre vergehen. Vor der Kassation behängt ein weiterer Einspruch gegen ein Urteil des Bozner Oberlandesgerichts zum Lanabau-Konkurs.

In beiden Verfahren geht es um einen Streitwert von rund einer halben Million Euro, welche die Summe der für die Gläubiger bereitstehenden Gelder lediglich geringfügig verändern wird. Das Konkursverfahren kann erst abgeschlossen werden, wenn die beiden offenen Gerichtsverfahren abgeschlossen sind.

 

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