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Die Bindestrich-Posse

Der Name Natz-Schabs wird häufig falsch geschrieben. Sogar auf den Ortstafeln und in der Gemeindezeitschrift findet man falsche Schreibweisen. Die Bürgerliste macht nun darauf aufmerksam: Der Bindestrich sei Pflicht.

von Markus Rufin

Laut Ortstafel gehört die Fraktion Aicha zur Gemeinde „Schabs“. Fährt man nach Schabs, gehört die Ortschaft zu „Natz-Schabs“. Und fährt man nach Natz, gehört das Dorf zur Gemeinde „Natz Schabs“.

Für Natz-Schabs scheint es zahlreiche unterschiedliche Schreibweisen zu geben. Aber nicht nur auf den Ortsschildern, sondern auch in der Gemeindezeitschrift findet man eine andere Schreibweise als „Natz-Schabs“. Dort wurde in den letzten Ausgaben stets „Natz/Schabs“ geschrieben.

Nun macht die Bürgerliste Natz-Schabs darauf aufmerksam, dass es nur eine richtige Schreibweise gebe – und zwar nur jene mit Bindestrich, also: Natz-Schabs. „Historische Dokumente belegen eindeutig, dass die Bindestrich-Variante korrekt ist, außerdem steht ein Bindestrich in diesem Fall für die Verbindung zweier gleichwertiger Ortschaften. Ein Querstrich würde bedeuten, dass es sich um ein Synonym handelt“, erklärt Elisabeth Baumgartner von der Bürgerliste.

In den sozialen Netzwerken forderte die Bürgerliste bereits mehrfach, die richtige Schreibweise zu verwenden. Seit einigen Tagen wird aber eine regelrechte Kampagne betrieben. Auslöser waren die letzten Ausgaben der Gemeindezeitschrift. „Die Redaktion hat es geschafft, den Namen der Gemeinde über 100 Mal falsch zu schreiben“, beklagt sich Baumgartner. „Sogar auf dem Titelblatt wird die Gemeinde als ,Natz/Schabs‘ bezeichnet und somit falsch geschrieben.“

Auf Facebook reagierten einige der Kommentatoren auf die Kampagne der Bürgerliste mit Unverständnis: „Gibt es denn sonst keine Probleme?“, schreibt einer der User. Auch der Bürgerliste ist es durchaus bewusst, dass das Problem keinen Weltuntergang darstellt, allerdings stelle die Gemeinde für den Bereich „Redaktion, Redigieren und Lektorat“ 4.300 Euro pro Ausgabe zur Verfügung. „Da das Gemeindeblatt mit öffentlichen Mitteln bezahlt wird, darf der Steuerzahler erwarten, dass der Name unserer Gemeinde auch richtig geschrieben wird“, schreibt die Bürgerliste auf Facebook.

Herausgeber der Gemeindezeitschrift ist die Brixmedia GmbH. Deren Geschäftsführer, Willy Vontavon, versichert, dass hinter den vermeintlichen Fehlern keine Absicht stehe: „Es ist nicht sicher, dass die Bindestrich-Variante die offizielle Schreibweise ist, aber wir werden diesen Umstand überprüfen und eventuell die Sache richtigstellen.“

Gemeindereferent Helmut Plaickner glaubt, dass die Bürgerliste mit der Kritik durchaus Recht hat, allerdings musste er schmunzeln, als er die Nachricht gehört hat: „Normalerweise sprechen wir von einem Sommerloch, wenn sich jemand mit so etwas beschäftigt. Hier handelt es sich offenbar um ein Winterloch. Wir werden uns aber ohne Frage um eine Richtigstellung bemühen.“ Für die Ortstafeln sei die Gemeinde nicht zuständig, da diese auf Landesstraßen stehen.

Aber nicht nur die Finanzierung der Gemeindezeitung, sondern auch der touristische Aspekt muss laut Bürgerliste bedacht werden: „Der Tourismus spielt in unserer Gemeinde eine wichtige Rolle. Es dürfte also vom Vorteil sein, sich mit dem richtigen Namen auf Ortstafeln und in Gemeindezeitschriften zu präsentieren.“

Elisabeth Baumgartner, die im touristischen Sektor tätig ist, berichtet, dass einigen Gästen aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (sogenannte „Bindestrich-Länder“) die Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind: „Auch sie wären mit einer falschen Schreibweise in ihren Ländern unzufrieden.“

 

 

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